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[Rezension] The Wizard of Oz von L. Frank Baum

Samstag, 22. Februar 2020



„All the same,“ said the Scarecrow, „I shall ask for brains instead of a heart;
for a fool would not know what to do with a heart if he had one.“
aus: The Wizard of Oz von L. Frank Baum. Textrecht: Puffin Books, Seite 41.

Klappentext: Dorothy’s life is turned upside down when a tornado whisks her and her dog, Toto, from Kansas to the magical land of Oz. To get back home, she must follow a yellow brick road to find the Wizard in the Emerald City. But the Wicked Witch oft he West lies in wait. Will Dorothy ever find her way home?


„Oh, I see,“ said the Tin Woodman. „But, after all, brains are not the best things in the world.“

„Have you any?“ inquired the Scarecrow.

„No, my head is quite empty,“ answered the Woodman; „but once I had brains, and a heart also; so, having tried them both, I should rather have a heart.“

aus: The Wizard of Oz von L. Frank Baum. Textrecht: Puffin Books, Seite 38.

Persönlicher Leseeindruck: Eine vage Ahnung von der Handlung und den schrulligen Figuren von „Der Zauberer von Oz“ hatte ich aufgrund tausender Anspielungen in Filmen, in einigen meiner Lieblingslieder (check out: The Blues, Mary – Brian Fallon) und natürlich durch das Musical „Wicked“ schon lange. WIE unglaublich schön und facettenreich dieser zauberhafte Text allerdings tatsächlich ist, wie lange er nachhallt und welch schöne Botschaften er einem mit auf den Weg gibt … – davon hatte ich bis vor kurzem keine Ahnung.

Die Geschichte von Dorothy, die mit ihrem treuen Hund Toto bei ihrer Tante und ihrem Onkel in Kansas wohnt, beginnt damit, dass eines Tages ein Tornado durchs Land braust, ihr Haus – mitsamt der kleinen Dorothy und Toto – mit sich reißt und nach Oz trägt, wo es prompt auf der Wicked Witch of the East landet! Nachdem sie unwissentlich die böse Hexe platt gemacht und die Munchkins damit von ihrer Knechtschaft befreit hat, beginnt ihre abenteuerliche Reise zur Emerald City, wo sie den Wizard of Oz treffen will, da er –  so sind sich die Munchkins und die gute Hexe des Nordens sicher – der einzige ist, der Dorothy helfen kann, zurück nach Kansas zu kommen.

Am Weg zur Emerald City trifft Dorothy auf die Vogelscheuche, die sich nichts sehnlicher wünscht als mehr als bloß Stroh im Kopf zu haben, den Tin Woodman, der – vollkommen aus Blech – nur den einen Wunsch hat, wieder ein schlagendes, liebendes Herz zu haben und auf den feigen Löwen, dessen größter Herzenswunsch es ist, keine Angst mehr zu haben und endlich mutig zu sein. Sie alle schließen sich Dorothy auf dem Weg zur Emerald City an, in der Hoffnung, dass der über die Grenzen aller Lande hinweg bekannte, großartige Zauberer von Oz ihnen ihre Wünsche erfüllt. Dabei müssen sie viele Abenteuer bestehen und ihre Freundschaft wird oft auf harte Proben gestellt.

Schon bald zeigt sich dem Leser aber – auch wenn die Figuren nicht imstande sind es zu erkennen – dass sie alle die Eigenschaften, die sie sich am meisten ersehnen, bereits in sich tragen: So verhält sich der Löwe stets heldenhaft und tapfer, wenn es darum geht, seine Freunde zu beschützen, der Blechmann ist ein feinfühliger und äußerst liebenswerter, stets auf die Gefühle anderer bedachter Begleiter und die liebe Vogelscheuche hat die schlausten Einfälle.




‚You people with hearts,‘ he said, ‚have something to guide you, and need never do wrong; but I have no heart, and so I must be very careful.‘
aus: The Wizard of Oz von L. Frank Baum. Textrecht: Puffin Books, Seite 49.

Besonders schön ist, dass auf diese Weise ganz leise und versteckt mutmachende und schöne Botschaften in dem modernen Märchen Platz finden. Ganz ohne ein plakatives „Und die Moral von der Geschicht…“, ganz ohne Donnerwetter und großes Tamtam. Auf kindlich-naive, herrlich ehrliche Weise werden wichtige, ja beinahe schon existentialistisch-philosophische Themen diskutiert, dass einem das Herz aufgeht. Da wird die Dialektik zwischen Verstand und Gefühl angerissen, dem Heimatgefühl nachgespürt, Loyalität verhandelt ohne große Parolen zu schwingen.
Die Bildhaftigkeit der Sprache und ihr Witz machen das Märchen zu einem vergnüglichen und kurzweiligen Lesegenuss.

Während sich dieses herzige, mit schwarz-weißen Illustrationen zauberhaft aufgehübschte Märchen sicherlich hervorragend zum Vorlesen und Selbstlesen für junge Leser eignet (kurze Kapitelchen, entzückende Illustrationen, einfache Sprache!) , sollte man auch als bibliophiler Mensch mit etwas mehr Jahren auf dem Buckel zu dem Büchlein greifen, sich nicht vom Label „Märchen“ oder kindlichen Aufmachungen abschrecken lassen und in diese kunterbunt- fantastische Welt der Munchkins und Winkies, der Hammerköpfe und der Porzellanleute, der Hexen und Zauberer eintauchen.

L. Frank Baum hat mit „The Wizard of Oz“ ein zeitloses Stück Weltliteratur geschaffen, dessen Magie Leser über Generationen hinweg verzaubert hat – und auch in Zukunft wird, dessen bin ich felsenfest überzeugt.
Besonders hervorzuheben ist auch die wunderschöne Aufmachung der Puffin Chalk-Ausgabe – angefangen vom kreativen Coverdesign von Dana Tanamachi, über die bereits erwähnten Illustrationen im Buch bis hin zum wirklich außergewöhnlichen, rauen Buchschnitt, der das Buch zusätzlich veredelt.

Fazit: Eines der schönsten Märchen aller Zeiten. The Wizard of Oz ist voller herzerwärmender Momente, Sprachwitz, einzigartiger Figuren und wird von einem so kreativen Ideenreichtum und einer derart eindrücklichen Bildgewalt getragen, dass das Leseerlebnis nach Zuklappen des Büchleins noch lange nachhallt und einem dabei ein Lächeln auf die Lippen zaubert.





The Wizard of Oz von L. Frank Baum 
Taschenbuch mit rauem Buchschnitt | 208 Seiten, Englisch | Puffin Books (Chalk Edition, 2013) 
ISBN: 978-0-14-242750-7

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