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[Rezension] Carl Tohrberg. Drei Stories von Ferdinand von Schirach

Samstag, 17. März 2018



Die Gabel dringt in den faltigen Hals, die Zacken perforieren ihre Halsschlagader.
Aus: Carl Tohrberg. Drei Stories von Ferdinand von Schirach, Seite 59. Textrechte: btb 

Klappentext: Ein Berliner Bäcker macht die beste Torte seines Lebens. Carl Tohrberg feiert Weihnachten. Der pensionierte Richter Seybold lernt die andere Seite des Gesetzes kennen. Drei meisterhaft erzählte Geschichten, in denen Ferdinand von Schirach von den Abgründen schreibt, die sich hinter scheinbar ganz alltäglichen Dingen auftun. Textrechte: btb

 
Rezension: Die essayistischen Texte von Ferdinand von Schirach sind gebündelte Anregungen zum Nachdenken, reich an Gedankenspielen und geprägt von einer sprachlichen Nüchternheit, welche sie zu einer außergewöhnlichen Lektüre machen. Selbige Qualitäten in Form von Kurzgeschichten zu gießen, war scheinbar das ambitionierte aber weit verfehlte Ziel des Autors.

Den drei Kurz(kurzkurz)geschichten Der Bäcker, Seybold und Carl Tohrberg, die in dem schmalen Bändchen versammelt sind, fehlen überzeugende Spannungsbögen und ein reißender Handlungsfluß; vielmehr plätschert jede der Stories gemächlich und ohne erkennbare Höhen und Tiefen vor sich hin. Die schnörkellose, übertrieben nüchterne Sprache trägt ihr Übriges dazu bei, dass Mord und Totschlag serviert werden, wie ein Wetterbericht, den man unaufgeregt zwischen Verkehrsnachrichten und Werbezeit sendet.

Ein bisschen frech ist auch der Preis des Büchleins (€ 8,30 zahlt man in Österreich dafür), handelt es sich beim Titel um ein 64 Seiten (!) umfassendes, in Schriftgröße 14 (oder gar 16?) gehaltenes Büchlein im Format A5.


Im Gefängnis hatten sie gesagt, es würde sich nie etwas ändern,
daran musste der Bäcker jetzt denken.

Aus: Carl Tohrberg. Drei Stories von Ferdinand von Schirach, Seite 15. Textrechte: btb

Persönliches Fazit: Ebenso lang, wie man benötigt, um das Büchlein zu lesen, währt auch der Eindruck danach: nur wenige Minuten. Zwar ist die Kurzgeschichtensammlung Carl Tohrberg kein ausgemachter Flop, der fade Nachgeschmack, den sie hinterlässt, ist aber dennoch enttäuschend.
 





Autor: Ferdinand von Schirach
Titel: Carl Tohrberg. Drei Stories.
Einband: Taschenbuch
Verlag: btb
Seitenanzahl: 64
ISBN: 978-3-442-71574-9
 

Das Buch wurde mir vom btb Verlag freundlicherweise als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Kommentare:

VanaVanille hat gesagt…

Ohje, ich habe gerade "Schuld" und "Strafe" von ihm gelesen und fand die ja ganz toll (aber wie ich gesehen habe, mochtest du "Schuld" ja auch gern :) ), doch was du jetzt zu diesem Buch erzählst, klingt ja so gar nicht verlockend. Und den Preis für so wenig Seiten finde ich auch ganz schön überzogen. Klar, Herr von Schirach ist ein bemerkenswerter Autor und man kriegt ja auch was für sein Geld, aber man muss ja nun nicht aus jedem bisschen Kapital schlagen, zumal es nun nicht seine stärksten Geschichten zu sein scheinen. :/

Nana hat gesagt…

Hallo! ♥
"Schuld" und auch "Die Würde ist antastbar" gefielen mir - wie dir -
wirklich gut. Auch das Theaterstück "Terror" ist lesenswert, wenn auch kein nonplusultra Leseerlebnis. "Carl Tohrberg" konnte ich aber leider wirklich nicht viel abgewinnen. :( Wie du sagst, das Büchlein hat relativ wenig von den Qualitäten seiner anderen Titel und wirkt mit Blick auf den Preis und die Seitenzahl wirklich wie bloße Geldmacherei...

Viele LG und ein großes Dankeschön für deine Zeilen! ♥
Nana