Ich bleibe stehen, während mir langsam dämmert, welche Botschaft mir das Universum mit dieser Naturkatastrophe sendet: Der Sack ist zu. Du kommst nicht mehr raus aus diesem Tal der Verdammten.
(Aus: Marterlmord von Heidi Troi, Seite 166)
Das verspricht der Klappentext: Maresciallo Pietro Carminati wird in ein kleines Dorf in einem engen Tal versetzt. Vierzig Jahre lang war dort Ruhe, aber bereits am Tag seiner Ankunft liegt der Dorfsäufer Sepp tot im Bach. Alles sieht nach einem Unfall aus. Doch als tags drauf ein Bauer an ein Marterl geflochten tot aufgefunden wird, ist klar: Ein Mörder treibt sein Unwesen im Tal. Mithilfe des Pfarrers der kleinen Gemeinde versucht Carminati Licht in das Dunkel zu bringen, doch mit wem er auch redet, er stößt auf eine Mauer des Schweigens. Und dann passiert der nächste Mord.
Handelt es sich um religiös motivierte Bluttaten? Was hat es mit dem plötzlichen Verschwinden des Bauern vom Moarhof auf sich? Und wieso liegt bei allen Toten dieses Sträußchen Vergissmeinnicht?
Carminati versucht, den Fall zu lösen, doch auch sein Leben gerät aus den Fugen. [Textrechte: Empire-Verlag]
Mein persönlicher Leseeindruck: Man nehme ein dörfliches Setting, kreiere einen mörderischen Plot und vermenge beides gründlich miteinander. Anschließend würze man das Ganze mit einer ordentlichen Prise Lokalkolorit und garniere es mit trockenem Humor. Was einem dann heiß serviert wird, ist eine deftige Geschichte, die Fans vielschichtiger Kriminalromane mit Sicherheit mundet, mit ihrer spritzigen Note den Gaumen kitzelt und einen bittersüßen Nachgeschmack hinterlässt.
Marterlmord ist für mich der Inbegriff eines gelungenen Gesamtpakets. Der Roman, vereint Leichtigkeit und Tiefgang, lädt zum Schmunzeln ein, lässt einen stellenweise aber auch ganz schön schlucken. Obwohl es der Geschichte beileibe nicht an Leichen mangelt, sorgt das Figurenensemble im Spannungsfeld von Stadt und Land, Italien und Südtirol, Dazugehörigen und "ahnungslosen" Auswärtigen für Situationskomik, welche die Kriminalgeschichte immer wieder auflockert, indem mit einem Augenzwinkern der sprichwörtliche Finger in alte gesellschaftliche Wunden gelegt wird.
Die Storyline ist durchdacht, bietet einen perfekten Spannungsbogen und eine Auflösung, die ihresgleichen sucht. So viel sei an der Stelle verraten: Es war nicht der Gärtner.
Aus seinen Augen, die normalerweise so liebenswürdig und warm wirken, blitzt etwas Gehetztes, Diabolisches, das ich nicht in Worte fassen kann. „Der Teufel hat Einzug gehalten in dieses Dorf.“
(Aus: Marterlmord von Heidi Troi, Seite 68)
Ein weiterer bittersüßer Nebenschauplatz sind die Liebeswirren im Leben des in allen Belangen unbedarft und leicht überfordert wirkenden Maresciallos. Der Liebesgeschichte(n) hätte es meiner Meinung nicht zwingend bedurft, die Herzensangelegenheiten werden aber gekonnt in das Geschehen eingeflochten und tragen dazu bei, dass man mit dem Protagonisten – in seiner beruflich wie privat vertrackten Lage – mitfühlt und -leidet.
Marterlmord vereint hervorragende Unterhaltung mit gesellschaftskritischem Denkstoff. Humor, Spannung und Scharfsinn reichen in diesem Kriminalroman einander die Hand, weshalb ich ihn gerne und von Herzen weiterempfehle.
Fazit: Heidi Trois Marterlmord ist ein humoriger Regionalkrimi, der mit unerwartet viel Tiefgang und unvorhersehbaren Wendungen aufwartet und bei dem Liebhaber kurzweiliger Whodunnits voll auf ihre Kosten kommen.
Marterlmord von Heidi Troi
Taschenbuch, 288 Seiten | Empire-Verlag | ISBN: 978-3985953394
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