Eine Frage der Perspektive..?

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Eine Frage der Perspektive..?

Freitag, 5. April 2013

Florida, Februar 2011 :)
Alles im Leben ist eine Frage der Perspektive, nicht wahr?
(nein, nicht alles. Aaaaber verdammt viel.)

Beim Lesen von Büchern geht es mir häufig so, dass ich gerne für ein paar Augenblicke in die Haut einer Nebenfigur schlüpfen würde - um die Angelegenheit aus ihren Augen sehen zu können und zu fühlen, was sich da nebenan unerkannt tut. Schließlich werden die Gefühle und Gedanken der Protagonisten immer (öfter) plattgetreten - aus der Sicht einer anderen Figur, wird eigentlich "ein und diesselbe" Geschichte, jedoch zu etwas vollkommen anderem.

Und so ist es doch mit allem im Leben - es ist nicht nur eine Frage des Optimismus (natürlich auch, aber nicht nur) warum einige sich an einem halbvollen Glas erfreuen können, während andere der verlorenen (bereits genossenen?) Hälfte nachtrauern; warum für viele die Sonne untergeht, während für die anderen ein verheißungsvoller Tag anbricht.

Als mein Mann mich vor Jahren zum Valentinstag zu unserem ersten offiziellen Date abholte, mit roten Rosen und Kinokarten und einem Besuch beim Zoo aufwartete - war es für mich einer der tollsten, bauchkribbeligsten Tage meines Lebens.
Einem Mädchen, das sich gewünscht hätte, er hätte sie an meinerstatt überrascht, brach es aber das Herz.

Da stellt man sich doch oft die Frage: Hätte man die andere Perspektive gekannt, hätte man dann vollkommen gleich gehandelt? Hätte ich gewusst, dass da ein Mädchen den ganzen Tag wartet und hofft, wäre ich dann einfach sorglos durch den Zoo spaziert und hätte bei Popcorn und Ice-Tee meinen Valentinstagskinobesuch genossen (genießen können)? Hätte mein Mann davon gewusst, wäre er dann vor meiner Tür gestanden?

Ihr seht also warum ich es literarisch gesehen, toll finde, auch mal "die andere Seite" kennen zu lernen (ich meine, auch wenn Bella es ja sooooo schwer hat, denkt man sehr bald sehr anders über das ganze, wenn man einmal Jacobs Gedanken kennt! :D)
Eine Geschichte hat nicht nur 2, 3, unendlich viele Seiten, sondern jede dieser Seiten einer Geschichte hat das Zeug, die anderen zu verändern. Wir lesen Bellas Geschichte nicht mehr gleich, wenn wir Jacobs Sicht kennen. Und umgekehrt.

Literarisch finde ich das schlichtweg wunderbar. Im wirklichen Leben ist es oft furchtbar, eine andere Perspektive nicht zu kennen. Oder noch schrecklicher: sie zu kennen.
Liegt vielleicht daran, dass im wirklichen Leben der Perspektivenwechsel ein wenig schwerer fällt, und man das "Buch" nicht einfach zuklappen kann, wenn einem nicht gefällt, was einem da offenbart wird...

Die Diskussionsrunde ist feierlich eröffnet :P
PS: das Herum-Philosophieren mit euch hat mir gefehlt.. :) Fühlt euch umarmt!

Kommentare:

  1. Antworten
    1. jap das stimmt. Manchmal wärs einfacher, wenn man in jemanden hineinsehen könnte - manchmal erschreckt einen aber auch das, was man da so sieht :I

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  2. Den Gedanken mit den Nebenfiguren hatte ich auch bereits. Bei manchen Büchern habe ich auch schon überlegt, mal eine Fanfiction über eine Nebenfigur zu schreiben, wenn sie mir sympathischer war als der Protagonist selbst :D.
    Überhaupt gibt es so viele Geschichten mit Protagonisten, die in irgendeiner Form etwas besonderes sind, dass es mich wirklich mal interessieren würde, was die "normalen" Leute in der Geschichte über sie denken. Von anderen Charakteren würde mich die Vergangenheit oft brennend interessieren.
    Manche Autoren schreiben ja auch kleine Kurzgeschichten über ihre Nebenfiguren.

    Was das wahre Leben angeht, kann ich meistens auf die andere Perpektive gut verzichten, auch wenn sich das jetzt hart anhört. Ich glaube, wenn wir immer wüssten, was andere über uns und unsere Taten denken, hätten wir fast immer Angst, das Falsche zu tun, und könnten keinen Moment mehr genießen.
    Vielleicht gab es ein anderes Mädchen, das traurig darüber war, dass du mit deinem Mann zusammen bist, aber es gibt fast immer jemanden, der nicht zufrieden ist - damit muss man wohl leben und sie wird sicher darüber hinweggekommen sein. Es hat ja schließlich auch keinen Sinn, wenn jeder auf sein persönliches Glück um der anderen Willen verzichtet. Dadurch wird der andere ja nicht automatisch zufrieden, oder?

    Liebe Grüße
    Charlie

    PS: Ich mag das Herumphilosophieren ;)

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